2010–2013: BAWAG CONTEMPORARY

Erik van Lieshout
Erik makes happy

1.12.2011—29.1.2012
BAWAG Contemporary zeigt vom 1. Dezember 2011 bis 29. Januar 2012 neue Arbeiten des niederländischen Künstlers Erik van Lieshout (geb. in Deurne, lebt in Rotterdam).

Im Zentrum der Ausstellung steht der 2011 entstandene Film "Commission", der in einem installativen Setting aus skulpturalen Elementen, Zeichnungen und Klebefolien präsentiert werden wird, das zwischen Bühne, Catwalk und Einkaufsladen changiert. Den Auftrag für den Film über Zuidplein, ein Einkaufszentrum im Süden Rotterdams, erhielt Erik van Lieshout 2010. Van Lieshout hatte vierzehn Jahre in dieser Gegend gelebt und gearbeitet und dort einige Filme gemacht, so etwa "Respect", der 2003 im niederländischen Pavillon bei der Biennale in Venedig gezeigt wurde, und "Awakening" (2005). Nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt war van Lieshout an die Kommission herangetreten, weil er nach einer Möglichkeit suchte, in diesen Arbeiterbezirk zurückzukehren, in dem mehrere große Einwanderergemeinden leben.

Das 1968 errichtete Einkaufszentrum in Zuidplein war eines der ersten in den Niederlanden und stand für eine utopische Vision, für zukünftigen Reichtum und urbane Harmonie. Im Lauf der Jahrzehnte ist der Süden Rotterdams sehr heruntergekommen. Das Einkaufszentrum Zuidplein wurde zu einem Ort der Armen und Arbeitslosen – und damit zu einem Ort, den man am besten mied. Gleichzeitig konzentrierte sich die Politik der Stadtverwaltung auf repräsentative Bauten an den Ufern der Maas, die die Stadt teilt. Durch an Stararchitekten wie Renzo Piano, Norman Forster, Álvaro Siza und den in Rotterdam arbeitenden Rem Koolhaas vergebene Aufträge wird das Viertel am Südufer zu einer Auslage zeitgenössischer Architektur. Zuidplein hingegen liegt zu weit südlich und wird politisch und finanziell vernachlässigt. Das Management der Shoppingmall hat sich bemüht, dem Zentrum wieder ein positives Image zu geben, indem es mithilfe von 63 Kameras für sichere Verhältnisse zu sorgen versucht und Jugendliche zum Weitergehen anhält.

Im Sommer 2010 eröffnete Erik van Lieshout in einem ehemaligen Lokal des Einkaufszentrums vorübergehend einen Laden. Statt allerdings einfach Waren zu verkaufen, nutzte er den Ort als Basis, um (wieder) mit dem Viertel und seinen Bewohnern, die er in für ihn charakteristisch direkte und oft sehr lustige Gespräche über Herkunft, Stadterneuerung, Sicherheit und Konsumverhalten verwickelte, in Verbindung zu treten. "Commission" ist ein Kommentar van Lieshouts zur gesellschaftlich-politischen Machtlosigkeit der Menschen und der Kunst – und eine Suche nach einem Zuhause. Indem der Film dem Einfluss von Personen wie Rem Koolhaas oder des ermordeten populistischen niederländischen Politikers Pim Fortuyn nachgeht, erweist er sich sowohl als Porträt eines Orts wie auch als halb skeptischer, halb hoffnungsvoller Versuch eines Künstlers, sozial Gutes zu tun. "Commission" befasst sich mit dem Scheitern einer Utopie in ihren verschiedenen Phasen und hinterfragt die Möglichkeiten gesellschaftlicher Partizipation in einer urbanen Welt, die aus ausgegrenzten Suburbs, privatisierten Räumen und streng überwachten Shoppingmalls besteht. Zuidplein steht paradigmatisch dafür, wie soziales Leben heute rund um den Imperativ Kaufen organisiert wird und wie die globale Brandingpolitik der großen Konsummarken über Zutritt zu oder Ausschluss von diesen Räumen bestimmt, während gleichzeitig soziales Leben nur simuliert wird. [...]


Kuratorin: Christine Kintisch
Presse: Christina Werner
Die BAWAG Foundation wurde 1974 von der Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) gegründet und war eine der frühesten gemeinnützigen Kunstinstitutionen in Österreich. Ihr ursprünglicher Standort befand sich im Hochholzerhof in der Wiener Innenstadt, dem Hauptsitz der Bank. Ab 1995 war die Institution an der Adresse Tuchlauben 7A untergebracht.

Im Jahr 2005 fusionierte die BAWAG mit der Österreichischen Postsparkasse zur BAWAG P.S.K.
2008 wurden im Zuge unternehmensinterner Entscheidungen die BAWAG Foundation und die Generali Foundation räumlich zusammengelegt. Das sogenannte „Foundationsquartier“ bestand jedoch nur für kurze Zeit. Daraufhin gründete Christine Kintisch, langjährige Leiterin der BAWAG Foundation, unter dem neuen Namen BAWAG Contemporary einen neuen Kunstort im ehemaligen Tanzcafé Westminster in der Barnabitengasse im sechsten Wiener Gemeindebezirk. Dort wurden ab 2008 Ausstellungen sowie Veranstaltungsformate wie Konzerte und Lounge-Abende organisiert.

Ab 2010 wurden die Ausstellungen in den von propeller z Architekten adaptierten Räumen am Franz-Josefs-Kai 3 gezeigt. Nach der Übernahme der BAWAG durch neue Eigentümer wurde der Betrieb von BAWAG Foundation / BAWAG Contemporary mit 31.12.2013 eingestellt.

Heute befindet sich an dieser Adresse der fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst.