2010–2013: BAWAG CONTEMPORARY

Heidrun Holzfeind
Strictly Private

9.2.2012—1.4.2012
Die Arbeit der österreichischen Künstlerin Heidrun Holzfeind hat in den letzten Jahren verstärkt Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auf der Grundlage theoretischer Überlegungen zu Architektur als sozialem Raum und zur Widerspiegelung von Machtverhältnissen in urbanen Systemen hinterfragt Holzfeind die utopischen Versprechen modernistischer Wohnbauten. Sie verbindet dieses Interesse für Architektur und Städtebau eng mit der Frage nach individuellen Lebensentwürfen und hat so zu einem höchst eigenständigen und unverwechselbaren Œuvre gefunden.

„Meine Arbeiten sind Porträts einfacher Menschen in einem Abschnitt ihres Lebens, in dem sie über ihre Errungenschaften, Ziele, Hoffnungen und ihren Platz in der Gesellschaft nachdenken“, schreibt die Künstlerin über ihren kritischen Blick auf gesellschaftliche Strukturen. Souverän lotet sie in ihren Werken Grenzen zwischen Geschichte und Identität, persönlichen Schicksalen und politischen Narrativen der Gegenwart, zwischen Realität und Fiktion aus.

So porträtiert sie etwa in der Videoarbeit Colonnade Park (2011) die modernistischen Wohngebäude Mies van der Rohes in Newark über Gespräche mit deren Bewohnern. Die drei zwischen 1954 und 1960 errichteten Glas- und Stahltürme stehen für den Beginn der urbanen Erneuerung Newarks. Die Interviews mit den Bewohnern über ihr Leben in diesen klassischen modernistischen Gebäuden werden mit Ansichten der Wohnungen und Aussichten aus den Fenstern konfrontiert.

In CU (Mexico City, August 2006) und Mexico 68 aus dem Jahr 2007, einer Diainstallation und Videointerviews über die Ciudad Universitaria in Mexico City, den wichtigsten Campus der Universidad Nacional Autónoma de México, stellt Holzfeind Architekturaufnahmen Videointerviews mit Aktivistinnen und Aktivisten der Studentenbewegung von 1968 gegenüber, die eine ganze Generation geprägt hat. Mit diesen Arbeiten hat Heidrun Holzfeind wesentlich zur Neuformulierung von Fragen des Dokumentarischen beigetragen und die Verwendung von Fotografie und Video zwischen Kunst und sozialer Praxis neu definiert.

Im Mittelpunkt der Ausstellung im BAWAG Contemporary wird eine neue Werkgruppe stehen, die sich mit dem österreichischen Architekten Ernst Schwadron (Wien 1896 – 1979 New York) auseinandersetzt. Ernst Schwadron war der älteste Sohn des Mitbegründers der Bau- und Keramikfirma Brüder Schwadron, in deren früherem Schauraum sich heute die Ausstellungsräume des BAWAG Contemporary befinden. Im Penthouse des gleichen Gebäudes am Franz-Josefs-Kai 3 lag die Wohnung des Architekten, der 1938 nach New York emigrieren musste und in den späten 1940er-Jahren in der Nähe der Stadt sein eigenes Haus errichtete. In ihrer neuen Werkgruppe geht Heidrun Holzfeind vor allem verschiedenen räumlichen und zeitlichen Bezügen nach.


Kuratorin: Christine Kintisch
Presse: Christina Werner
Die BAWAG Foundation wurde 1974 von der Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) gegründet und war eine der frühesten gemeinnützigen Kunstinstitutionen in Österreich. Ihr ursprünglicher Standort befand sich im Hochholzerhof in der Wiener Innenstadt, dem Hauptsitz der Bank. Ab 1995 war die Institution an der Adresse Tuchlauben 7A untergebracht.

Im Jahr 2005 fusionierte die BAWAG mit der Österreichischen Postsparkasse zur BAWAG P.S.K.
2008 wurden im Zuge unternehmensinterner Entscheidungen die BAWAG Foundation und die Generali Foundation räumlich zusammengelegt. Das sogenannte „Foundationsquartier“ bestand jedoch nur für kurze Zeit. Daraufhin gründete Christine Kintisch, langjährige Leiterin der BAWAG Foundation, unter dem neuen Namen BAWAG Contemporary einen neuen Kunstort im ehemaligen Tanzcafé Westminster in der Barnabitengasse im sechsten Wiener Gemeindebezirk. Dort wurden ab 2008 Ausstellungen sowie Veranstaltungsformate wie Konzerte und Lounge-Abende organisiert.

Ab 2010 wurden die Ausstellungen in den von propeller z Architekten adaptierten Räumen am Franz-Josefs-Kai 3 gezeigt. Nach der Übernahme der BAWAG durch neue Eigentümer wurde der Betrieb von BAWAG Foundation / BAWAG Contemporary mit 31.12.2013 eingestellt.

Heute befindet sich an dieser Adresse der fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst.