2014–2021: Freie kuratorische Projekte (Auswahl)

Brüder Schwadron: call to mind

8.1.2014—28.1.2014
Von 1899 bis 1938 hat die jüdische Firma Brüder Schwadron in Wien viele Zinshäuser und öffentliche Gebäude mit baukeramischen Arbeiten ausgestattet. Ziel des Ausstellungsprojekts ist es, die im Verschwinden begriffenen Spuren des Unternehmens ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken – eine künstlerische Intervention wider das Vergessen.

Es ist eine einmalige – fast historische – Chance, das Ausstellungsprojekt „Brüder Schwadron: call to mind“ in den großzügigen Räumen am Franz-Josefs-Kai 3 zu präsentieren. Denn das Unternehmen residierte ab 1905 in ebendiesem Gebäude, das vom Architekten Julius Goldschläger entworfen und geplant wurde. Die wunderschöne Fliesen-Decke im ersten Raum erinnert noch heute an die Brüder Schwadron und wird Teil der Präsentation sein.

In Vorbereitung des Projekts wurde intensiv recherchiert – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und eine subjektive Auswahl an privaten Häusern getroffen. Im Fokus der Ausstellung stehen 20 Wiener Zinshäuser, deren Vestibüle von den Brüdern Schwadron baukeramisch gestaltet wurden, d.h. die Fußböden und/oder die Wandverfliesungen wurden von der Firma ausgeführt. Darüber hinaus zeigt das Ausstellungsprojekt eine Bildstrecke von öffentlichen Gebäuden, die nachweislich von der Firma Brüder Schwadron ausgestattet wurden: Amalienbad, Wirtschaftskammer, Café Schwarzenberg, Gasthaus Reinthaler sowie das größte Fass im Kaiserlichen Weinkeller. Auf diese Weise wird dem mannigfaltigen Wirkungskreis des Unternehmens Rechnung getragen und ihr Beitrag zur Blüte des Kunsthandwerks zwischen Späthistorismus und Jugendstil gewürdigt.

Im dritten Teil der Präsentation wird es eine interaktive Raumskulptur geben, die den Titel des Projekts „Brüder Schwadron: call to mind“ einlöst und als soziale Plastik im Sinne Joseph Beuys zu deuten ist. Bereits im Vorfeld der Ausstellung sind die Wienerinnen und Wiener ausdrücklich zur Partizipation aufgefordert, d.h. Fotos ihres persönlichen Umfelds, das Spuren des Schwadronschen Wirkens zeigt, einzureichen. Die eingereichten Fotos werden namentlich und unter Nennung des Fundorts in die Raumskulptur – einem Archivkörper – integriert. Auch die Gestaltung der Website zum Projekt trägt der Idee der Partizipation Rechnung, d.h. diese Plattform wird nach Ablauf der Ausstellung kontinuierlich weiterentwickelt und durch das eingereichte Bildmaterial ergänzt und erweitert.

Konzept:
Tina Zickler
Website zum Projekt: 
http://projekt-schwadron.at 

Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit Fotos von Lisa Rastl und Texten von Markus Kristan, Andreas Lehne, Andreas Nierhaus und Tina Zickler. (88 Seiten, Format 23 x 30 cm, Preis in der Ausstellung € 18).
Zwischen Jänner 2014 und September 2021 standen die Ausstellungsräume am Franz-Josefs-Kai 3 frei kuratierten Ausstellungsprojekten wie diesem zur Verfügung. Daneben nutzte die Universität für Angewandte Kunst die Räumlichkeiten als Standort für die Aktivitäten des Angewandte Innovation Lab (AIL).