2014–2021: Freie kuratorische Projekte (Auswahl)

Everything You’ve Ever Wanted Is on the Other Side of the Planet

10.11.2020—24.12.2020
Im Jahr 2019 feierten Japan und Österreich das 150-Jahr-Jubiläum ihrer diplomatischen Beziehungen als Symbol für die Freundschaft und den langjährigen Austausch. Am Beginn der Beziehungen zwischen Österreich und Japan stand der „Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag“ von 1869. Trotz der freundschaftlichen Feierlichkeiten ist festzuhalten, dass der Vertrag die ungleichen Bedingungen zwischen Japan und westlichen Ländern verfestigte, da Japan anderen Staaten eine Meistbegünstigtenklausel einräumte. Fünf weitere Länder schlossen diesen für sie vorteilhaften Vertrag mit Japan, darunter das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Russland und die Niederlande. 

Wenn wir auf eine völlig andere Kultur stoßen, ist unsere Reaktion oft polarisiert. Einige lehnen sie ab oder ignorieren sie, während andere neugierig werden und versuchen, mehr zu erfahren. Von diesen werden einige besessen, sogar manisch in ihrer Wertschätzung für andere Kulturen. Meist sind sie es, die das gegenseitige Verständnis zwischen verschiedenen Ländern fördern, wobei politische Themen wie Repräsentation und Eigentum sich auch im internationalen Austausch zeigen. Andererseits führen Sehnsucht und Verlangen nach anderen und ihrem Reichtum oft zu Ausbeutung und Vandalismus, wie dieser unfaire Vertrag zeigt. 

Die Kunstwerke in dieser Ausstellung stehen für die Reaktion der Künstler*innen auf ungleiche Machtverteilung in internationalen Beziehungen unter post- und neokolonialen Bedingungen und vor einem drastisch veränderten Hintergrund bezüglich Gesellschaft und Klasse. 

Nach diesem Jubiläumsjahr konzentriert sich die Ausstellung Everything You‘ve Ever Wanted Is on the Other Side of the Planet auf die widersprüchlichen Gefühle gegenüber Fremdheit, politischer Identität, Postkolonialismus und Nachkriegszeit, vom späten 19. Jahrhundert bis heute. Das Projekt befasst sich auch mit der künstlerischen Interpretation von Sehnsucht, Leidenschaft und Liebe zu fremden Kulturen, Artefakten und Ländern. Beides sind polarisierte Emotionen und Reaktionen auf andere Kulturen. 
Die Arbeiten beschränken sich nicht auf Österreich und Japan, sie umfassen so unterschiedliche Regionen wie Hongkong, das Vereinigte Königreich, Mexiko, Brasilien, China und die USA. 

Künstler*innen:
Yu Araki, Oscar Cueto, Tetsugo Hyakutake, Kyun-Chome, Michikazu Matsune, Yoshinori Niwa, Lisl Ponger, Almut Rink, Motoyuki Shitamichi, Kota Takeuchi, Kay Walkowiak, Pan Lu and Bo Wang, Zheng Yuan.

Kuratorin: Hitomi Hasegawa 

Die Ausstellung wurde unterstützt von:
POLA ART Foundation, Austrian Federal Chancellery, Franziska und Christian Hausmaninger, Angewandte Innovation Laboratory, MIACA, Moving Image Archive of Contemporary Art  

Zwischen Jänner 2014 und September 2021 standen die Ausstellungsräume am Franz-Josefs-Kai 3 frei kuratierten Ausstellungsprojekten wie diesem zur Verfügung. Daneben nutzte die Universität für Angewandte Kunst die Räumlichkeiten als Standort für die Aktivitäten des Angewandte Innovation Lab (AIL).