Hong Zeiss, Michael Kral
Virtual Virtue
25.5.2018—15.6.2018
Virtual Virtue ist eine Ausstellung über Malerei. Malerei jenseits von Malerei aber auch Malerei als Malerei selbst, als Medium, welches die Mittel ihrer eigenen Transzendenz bestimmt.
Der Titel deutet die Verbindung zwischen virtue (Tugend) und Virtualität an, die nur auf den ersten Blick seltsam erscheint. In Anlehnung an die historischen Verbindungen von Virtuosität und der Hergestelltheit im Medium der Malerei besinnt sich die Ausstellung auf die Legitimität der Meisterschaft piktoraler Sprache, um das Netz semiologischer Verhältnisse von innen freizulegen, welches schon etymologisch im Übergang von virtue (verbunden mit moralischen Werten und natürlichen Qualitäten) zu Virtualität als Essenz oder Effekt augenfällig wird.
Die Strategien, die von den beiden Malern gewählt wurden, sich diesem virtual virtue zu nähern sind verschieden. Während Hong Zeiss Ambiguität maximiert, um seine Bilder in Reflektionen über Singularität oder Serialität, Medium oder Format zu verwandeln, verweist Michael Kral auf eine (digitale) Bildproduktion, die ihre Hergestelltheit umgeht, um die (gegensätzliche) doppelte Eigenschaft von Malerei deutlich zu machen, als jenes Medium, das es gerade wegen seiner unbestreitbaren und unvermeidlichen Künstlichkeit erlaubt, beide Modi des virtue/virtual gleichzeitig anwesend sein zu lassen.
Der Ausstellungsraum und -kontext erzeugt ein dispositif (1), in welchem die idiosynkratischen piktoralen Übereinkünfte von Zeiss und Kral auseinandergenommen und anschließend wieder zusammengebaut werden. Dabei entstehen multidirektionale Kommunikationsmöglichkeiten, und in ihnen eingebettet neue Hypothesen durch serielle Verwandtschaften und/oder durch die Nachbarschaft einzelner Werke.
Ingenthrons Intervention für Virtual Virtue zeigt sich als eine Antwort auf den Dialog, die die Arbeiten von Hong Zeiss und Michael Kral vorschlagen, durch die Entwicklung des Konzepts der immanenten Kritik. Dieses Konzept, welches in Gesprächen mit den Künstlern entwickelt wurde, versucht Kritik innerhalb des künstlerischen Werks anzusiedeln und nicht jenseits davon. Das bedeutet, dass in der Natur der künstlerischen Arbeit immer die Möglichkeit von Selbstreflektion liegt, ihre Möglichkeiten und Unzulänglichkeiten, ihre Grenzen und Erweiterungen.
So gesehen lehnen die Malereien von Zeiss und Kral die gegenwärtige Versuchung einer “Revitalisierung” von Malerei ab, also einer Malerei, die auf eine Form piktoraler Produktion abzielt, um die Möglichkeiten von Malerei zu erneuern oder sogar deren Rolle und Gültigkeit inmitten inter- und transmedialer Kunstproduktion zu verteidigen. Anstatt die Tradition zugunsten eines Statements Richtung “zeitgenössisch” oder sogar “kritisch” zurückzuweisen, schreiben sich die Werke, die für Virtual Virtue ausgewählt wurden, bewusst in die Tradition ein, indem diese einer Neurahmung unterzogen wird. Ihre Annährerung an Malerei bleibt dabei auf ein Außen bezogen und in diesem Sinne auf eine Signifikanz, aus der ein Diskurs entsteht. Dieser Ansatz beruft sich mehr auf den Bereich des Begehrens als auf jenen des Sinnlichen.
(1) Als Dispositiv wird ein Arrangement verstanden, das sich vom französischen Wort dispositif ableitet und, genauso wie das portugiesische oder spanische dispositivosich auf das lateinische dispositio bezieht - ein System in der westlichen klassischen Rhetorik für die Organisation von Argumenten.
Kuratorin:
Gudrun Ingenthron
Der Titel deutet die Verbindung zwischen virtue (Tugend) und Virtualität an, die nur auf den ersten Blick seltsam erscheint. In Anlehnung an die historischen Verbindungen von Virtuosität und der Hergestelltheit im Medium der Malerei besinnt sich die Ausstellung auf die Legitimität der Meisterschaft piktoraler Sprache, um das Netz semiologischer Verhältnisse von innen freizulegen, welches schon etymologisch im Übergang von virtue (verbunden mit moralischen Werten und natürlichen Qualitäten) zu Virtualität als Essenz oder Effekt augenfällig wird.
Die Strategien, die von den beiden Malern gewählt wurden, sich diesem virtual virtue zu nähern sind verschieden. Während Hong Zeiss Ambiguität maximiert, um seine Bilder in Reflektionen über Singularität oder Serialität, Medium oder Format zu verwandeln, verweist Michael Kral auf eine (digitale) Bildproduktion, die ihre Hergestelltheit umgeht, um die (gegensätzliche) doppelte Eigenschaft von Malerei deutlich zu machen, als jenes Medium, das es gerade wegen seiner unbestreitbaren und unvermeidlichen Künstlichkeit erlaubt, beide Modi des virtue/virtual gleichzeitig anwesend sein zu lassen.
Der Ausstellungsraum und -kontext erzeugt ein dispositif (1), in welchem die idiosynkratischen piktoralen Übereinkünfte von Zeiss und Kral auseinandergenommen und anschließend wieder zusammengebaut werden. Dabei entstehen multidirektionale Kommunikationsmöglichkeiten, und in ihnen eingebettet neue Hypothesen durch serielle Verwandtschaften und/oder durch die Nachbarschaft einzelner Werke.
Ingenthrons Intervention für Virtual Virtue zeigt sich als eine Antwort auf den Dialog, die die Arbeiten von Hong Zeiss und Michael Kral vorschlagen, durch die Entwicklung des Konzepts der immanenten Kritik. Dieses Konzept, welches in Gesprächen mit den Künstlern entwickelt wurde, versucht Kritik innerhalb des künstlerischen Werks anzusiedeln und nicht jenseits davon. Das bedeutet, dass in der Natur der künstlerischen Arbeit immer die Möglichkeit von Selbstreflektion liegt, ihre Möglichkeiten und Unzulänglichkeiten, ihre Grenzen und Erweiterungen.
So gesehen lehnen die Malereien von Zeiss und Kral die gegenwärtige Versuchung einer “Revitalisierung” von Malerei ab, also einer Malerei, die auf eine Form piktoraler Produktion abzielt, um die Möglichkeiten von Malerei zu erneuern oder sogar deren Rolle und Gültigkeit inmitten inter- und transmedialer Kunstproduktion zu verteidigen. Anstatt die Tradition zugunsten eines Statements Richtung “zeitgenössisch” oder sogar “kritisch” zurückzuweisen, schreiben sich die Werke, die für Virtual Virtue ausgewählt wurden, bewusst in die Tradition ein, indem diese einer Neurahmung unterzogen wird. Ihre Annährerung an Malerei bleibt dabei auf ein Außen bezogen und in diesem Sinne auf eine Signifikanz, aus der ein Diskurs entsteht. Dieser Ansatz beruft sich mehr auf den Bereich des Begehrens als auf jenen des Sinnlichen.
(1) Als Dispositiv wird ein Arrangement verstanden, das sich vom französischen Wort dispositif ableitet und, genauso wie das portugiesische oder spanische dispositivosich auf das lateinische dispositio bezieht - ein System in der westlichen klassischen Rhetorik für die Organisation von Argumenten.
Kuratorin:
Gudrun Ingenthron