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Vorschau

Susan Philipsz

Eröffnung: Mi., 26.06., 19.00 Uhr
Die Schottin Susan Philipsz (*1965 in Glasgow) zählt mit ihren ortsspezifischen Klanginstallationen zu Themen wie Vertreibung, Verlust und Erinnerung zu den herausragenden Künstlerinnen der Gegenwart. Für Ihre Ausstellung in Wien schafft sie durch die Verbindung von Klanginstallationen und -skulpturen mit filmischen und fotografischen Arbeiten einen atmosphärischen Erinnerungsraum, der auch die architektonischen Besonderheiten des Ausstellungsortes und dessen Geschichte mitdenken lässt.

Ihre eigens für die Ausstellung konzipierte Arbeit „Sound Mirrors“ ruft die frühen Dekaden des Hauses am Franz-Josefs-Kai 3 ins Gedächtnis. 1904 vom Architekten Julius Goldschläger erbaut, diente das Gebäude der  jüdischen Familie Schwadron als Wohnsitz, wobei in den heutigen Ausstellungsräumlichkeiten das renommierte Keramikfliesenunternehmen Brüder Schwadron angesiedelt war. In der Arbeit fallen mittels zweier Parabolspiegel die visuelle Selbstwahrnehmung der Besucher:innen und die Raumerfahrung der Architektur mit ihrer original erhaltenen Fliesendecke in eins, während die Stimme der Künstlerin wie ein Echo widerhallt. Das „Im-Klang-Sein“ wird zu einem sensitiven „In-Sich-Sein“.

„Sound Mirrors“ titelt auch die Doppelvinyl-Schallplatte von Susan Philipsz, die anlässlich der Ausstellung in limitierter Edition erscheint.

Das Vergegenwärtigen von Vergangenem ist eine Konstante in Philipsz’ Werk – insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und die damit einhergehende Zerstörung von Kultur. In der Ausstellung sind neben anderen Werken ihre 12-Kanal-Klanginstallation „Study for Strings“ (2012) und die Filminstallation „Sokol Terezín“ (2023) beispielgebend hierfür. Beide Arbeiten stehen in Bezug zu einem Orchesterwerk, das der tschechisch-jüdische Komponisten Pavel Haas vor seiner Ermordung in Auschwitz im Konzentrationslager Theresienstadt geschaffen hat. Seine „Studie für Streichorchester“ hatte ihr Debüt im Rahmen eines NS-Propagandafilms, der die angeblich guten Lebensverhältnisse der europäischen Juden im Ghetto dokumentierte. Philipsz’ Klanginstallation sowie ihr Film, der durch die Räume des einstigen Ghettos führt, basieren auf Instrumentalsequenzen, die die Künstlerin Note für Note aus Haas’ Komposition isoliert hat. Dieser Vorgang der Zerlegung und Neuanordnung verstärkt das Bewusstsein für Abwesenheit und Verlust.


Susan Philipsz, 1965 in Glasgow geboren, lebt und arbeitet derzeit in Berlin. 2010 erhielt sie den Turner-Preis und wurde 2014 für ihre Verdienste um die britische Kunst mit dem OBE ausgezeichnet. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden ihre Klanginstallationen in vielen renommierten Institutionen und an öffentlichen Orten auf der ganzen Welt präsentiert, darunter Einzelausstellungen im Kunstmuseum Brandts (2023) in Odense, im ARoS (2023) in Aarhus, im Kunstmuseum Bonn (2021), im Castello di Rivoli (2019), Turin, der Tate Modern (2018) und der Tate Britain (2015) in London, in der Bonniers Konsthall (2017) in Stockholm, im Kunsthaus Bregenz (2016) in Österreich, im Hamburger Bahnhof (2014) in Berlin, im Carnegie Museum of Art (2013) in Pittsburgh, K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (2013) in Düsseldorf, im Museum of Contemporary Art (2011) in Chicago, im Aspen Art Museum (2011) in Colorado, im Wexner Center for the Arts at Ohio State (2010) in Columbus, im Museum Ludwig (2009) in Köln und im Institute of Contemporary Art (2008) in London. Installationen von Philipsz waren 2007 bei den Skulptur Projekten Münster, 2008 bei der 55. Carnegie International und 2020 bei der National Gallery of Victoria Triennial zu sehen.
Ausstellung: bis 15.09.2024
Kuratorin:
Fiona Liewehr